Geschichte Werkberufsschule

Friedrich Koenig

Geschichte der Werkberufsschule

 

1817 Firmengründung

Mit der genialen Erfindung der Zylinderdruckmaschine durch Friedrich Koenig im Jahre 1811 und der Gründung der Schnellpressenfabrik im Kloster Oberzell im Jahre 1817 waren Fachkräfte für den Druckmaschinenbau unverzichtbar. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts steckte die Industrialisierung in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Das Handwerk war damals noch nicht in der Lage, arbeitsteilig zu produzieren oder Facharbeiter zu stellen - schon gar nicht in einer Weinbauregion wie Franken. Die Industriepioniere Friedrich Koenig und Andreas Bauer waren deshalb gezwungen, eigene Fachkräfte heranzubilden. Friedrich Koenig schrieb damals an einen englischen Geschäftsfreund: "Hierzulande befinden sich die Geschäfte noch in einem Zustande, in welchem sie in England vor 70 oder 100 Jahren waren; die Modellmacher sind Zimmerleute, die Eisen- und Messingarbeiter Schlosser oder Grobschmiede. Sie vereinigen sich in Zünften und wandern im Lande umher, von einem kleinen Meister zum anderen".

Friedrich von Koenig

1868 Gründung der Werkberufsschule

Mit dem technischen Fortschritt im Druckmaschinenbau stieg auch der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern. Hinzu kam die oft mangelhafte Ausbildung an den Dorfschulen, was Friedrich von Koenig, den jüngeren Sohn des Erfinders, veranlasste, schon im Jahr 1868 eine eigene Fabrikschule, die so genannte Fabrikfortbildungsschule, zu gründen. Die Werkberufsschule gehört damit, neben den gewerblichen Sonntagsschulen, zu den ältesten Berufsschulen in Deutschland. In der Fabrikschule erhielten die Lehrlinge Unterricht in den Fächern Rechnen, Deutsch, Geometrie und Mechanik. In späteren Jahren kamen noch Algebra, Maschinenlehre und Elektrotechnik hinzu. Außerdem besuchten sie sonntags in Würzburg einen vom Polytechnischen Zentralverein eingerichteten Zeichenkurs. Für die Fächer Rechnen und Deutsch standen Volksschullehrer aus Zell zur Verfügung. Die Leitung der Schule und die Erteilung des technischen Unterrichts übernahm Friedrich von Koenig selbst. Die Unterrichtsdauer betrug acht Stunden in der Woche. Der Unterricht fand während der Arbeitszeit statt. Sämtliche Kosten wurden vom Unternehmen getragen.  

Das neue Werk

1901 Das neue Werk

Aufgrund des wachsenden Auftragsvolumens und der zunehmenden Größe der Rotationsmaschinen wurde eine neue Fertigungsstätte benötigt.So zog Koenig & Bauer 1901 auf die andere Mainseite. Zwei Jahre nach dem Umzug folgte im Jahr 1903 die Fabrikschule in eigens für sie errichtete Unterrichtsräume. 1914 musste der Unterrichtsbetrieb eingestellt werden. Nach dem ersten Weltkrieg erfolgte 1921 mit staatlicher Genehmigung die Neugründung als "Werkschule". Die Abschlussprüfungen wurden ab 1927 von der Handwerkskammer, seit 1936 von der Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt abgelegt. Von der Zerstörung des Werkes im März 1945 blieb auch die Werkschule nicht verschont. Die Wiedereröffnung der Schule wurde 1947 bewilligt. Seit 1955 trägt sie die Bezeichnung "Werkberufsschule Koenig & Bauer".

1977 Elektronikzeitalter

Die Ausbildung an den modernsten Technologien ermöglicht den reibungslosen Übergang von der Ausbildung in die betriebliche Praxis.Das NC-Zeitalter begann 1977 mit einem selbst gebauten Anschauungsmodell zur Simulierung von Werkzeugbewegungen einer NC-Maschine. Ein überdimensionaler Lochstreifen wurde photoelektrisch Satz für Satz eingelesen. Die Informationen wurden elektromechanisch ausgewertet und an zwei Elektromotoren weitergegeben, die über je eine Spindel einen Schreiber zweidimensional verfahren konnten, so dass eine genaue Positionierung möglich war und mit Hilfe des Programms Konturen abgefahren werden konnten. Gleichzeitig wurde die Position digital angezeigt. Mit der Anschaffung einer MAHO-Fräsmaschine 1981 begann auch für die praktische Ausbildung das CNC-Zeitalter, heute stehen vier CNC-Maschinen zur Verfügung. Die Ausbildungsmöglichkeiten in modernen Technologien wurden kontinuierlich erweitert, beispielsweise durch das Einrichten eines PC-Raumes im Jahre 1986, in dem heute bereits die 4. Rechner-Generation im Einsatz ist. Speziell für die Ausbildung der Berufe im Berufsfeld Elektrotechnik stehen Digitaltrainer zur Verfügung, mit deren Hilfe der Schüler sowohl einfache digitale Grundschaltungen als auch die Arbeitsweise von Mikroprozessoren kennen lernen kann.

1993 Staatliche Anerkennung

1993 wurde die Werkberufsschule aufgrund ihrer Didaktik und Methodik sowie ihrer Lehrkräfte und Einrichtungen auf Anraten der Regierung von Unterfranken "staatlich anerkannt". Schüler der Werkberufsschule können seitdem auch den mittleren Bildungsabschluss erreichen.

Die neue Werkberufsschule

1998 Umzug

1998 ist die Werkberufsschule aus der räumlichen Enge der alten Gebäude in die heutigen hellen und weitläufigen Gebäude umgezogen.